Yogarichtungen & Yogastile


Neben den klassischen Yogastilen wie Hatha,- Kundalini, - Kriya- Bhakti,- Jnana-Yoga etc. haben sich in Abhängigkeit der lehrenden Gurus eine Vielzahl unterschiedlicher Yogastile bzw. Mischformen herauskristallisiert, die im Prinzip jedoch alle auf den klassischen Yogastilen beruhen.

Die Herkunft der Yogalehrenden, ihre ursprünglichen Meister sowie das Setzen individueller Schwerpunkte bei der Kursausrichtung sind die wesentlichen Faktoren dafür, dass es heute so viele unterschiedliche Yogarichtungen gibt.

Für eine bessere Übersichtlichkeit sind nachfolgend die derzeit aktuellsten Yogastile mit ihren Schwerpunkten in alphabetischer Reihenfolge stichpunktartig aufgeführt.
Wer detailliertere Informationen zu den einzelnen Yogastilen haben möchte, sei auf die jeweilige Homepage der Yogaschulen/Anbieter verwiesen.

AcroYoga
®
AcroYoga wurde 2003 von Jason Nemer & Jenny Sauer-Klein in Kalifornien begründet. Verbunden werden die spirituelle Weisheit von Yoga, die liebende Güte von

Nuad (Thai-Yoga-Körperarbeit) und die dynamische Kraft der Akrobatik. Ziel von AcroYoga ist, Individuen in einen Zustand der Einheit mit sich selbst, mit anderen und mit dem Göttlichen zu bringen. 

Antigravity® Yoga
Anti-Schwerkraft-Yoga verbindet Yoga mit Luftakrobatik, Gymnastik, Tanz und Pilates. 2008 gegründet vom New Yorker Christopher Harrison lassen Schülerinnen und Schüler nicht nur die Seele baumeln sondern hängen an einem elastischen Trapeztuch von der Decke. Mut, Körperspannung und Balance bilden die Essenz.

Anusara-Yoga®
Vom Amerikaner John Friend 1997 begründeter Yogastil.  anusara = „Folgen, Nachfolgen“ oder „natürlicher Zustand“. Anusara-Yoga vereint mehrere klassische Yoga-Ansätze: Hatha Yoga (Fokus Körper/Atmung), Jnana Yoga (Fokus Geist/Weisheit/Wissen) und Bhakti Yoga (Fokus Spirituelle Hingabe). Ziel ist eine freudige, einem „dem Herzen folgende“ Yogapraxis, um „im Einklang mit dem Körper die innere Schönheit zu erleben“.

Ashtanga-Vinyasa Yoga
Der Inder Sri Krishna Pattabhi Jois (1915-2009) entwickelte eine sehr kraftvolle und dynamische Form des Hatha-Yoga. Es werden vorgegebene, sehr fordernde dynamische Reihen im indischen Stil geübt, die einzelnen Asanas (Körperhaltungen) oft durch Sprünge miteinander verbunden. Die TeilnehmerInnen werden gelehrt, während des Übens auf eine bestimmte Art zu atmen (Ujjayi-Atmung).

Bhakti-Yoga

Bhaj = dienen bzw. Hingabe.
Bhakti ist die Liebe zu Gott, auch die absolute Hingabe an einen Guru (Lehrer). Bhakti-Yoga lehrt selbstloses Handeln ohne eigene Erwartungen.

Bikram-Yoga®
Bikram Yoga wird bei 40-41 Grad Celsius (105°F) und 40 % Luftfeuchtigkeit praktiziert. Es besteht aus einer Abfolge von 26 Hatha-Yoga-Übungen (Asanas) und zwei Atemübungen (Pranayama). Diese 26 Übungen wurden vom indischen Yogameister Bikram Choudhury ausgewählt und zusammengestellt. Es ist ein sportliches und forderndes Yoga

und soll die physische Körperkraft, Flexibilität und Balance verbessern und durch Schwitzen den Körper entgiften.

Budokon®-Yoga
Budokon kommt aus dem Japanischen, Bu (Krieger), Do (bezeichnet den Weg), Kon (Seele). Budokon® Yoga ist eine Mischung aus fließenden Yoga-Asanas (Elementen aus Hatha- & Ashtanga-Yoga), mit Rotationen, Meditation und Bewegungsabläufen aus traditionellen Kampfkunststilen. Dabei geht es sowohl um Schnelligkeit, Agilität, Koordination und Körperkontrolle, als auch um Kraft sowie innere und äußere Balance. Cameron Shayne ist Gründer des Budokon®Yoga

Forrest Yoga®
Forrest Yoga wurde von der Amerikanerin Ana Forrest begründet und basiert auf traditionellem Hatha-Yoga, das sie weiterentwickelte. Die Eckpfeiler von Forrest Yoga sind: Atem, Stärke, Integrität und „Spirit“. Leidenschaftliche, intensivste Übungssequenzen führen dabei tiefer, auch zu möglichen körperlichen und emotionalen Verletzungen.

Hatha-Yoga
„hatha“= Kraft, Ausdauer, Energie.
Hatha-Yoga ist ein Überbegriff für körperbezogenes Yoga, d. h. für yogische Körper- und Atemübungen.
Hatha-Yoga ist die im Westen am häufigsten praktizierte Form. Wenn allgemein von „Yoga“ gesprochen wird, ist meist Hatha-Yoga gemeint.

Hormon-Yoga
Die brasilianische Psychologin und Yogalehrerin Dinah Rodrigues entwickelte in den 1990er Jahren das sog. „Hormon-Yoga“. Sie kombinierte Trainingszyklen mit Übungen aus dem Hatha-Yoga, dem Kundalini-Yoga und tibetische Energieübungen. Gezielt werden Eierstöcke, Schilddrüse und Nebennieren stimuliert, um die Hormonproduktion anzuregen.

Iyengar-Yoga®
Der Inder
B.K.S. Iyengar sprich: aiyengar (1918-2014) begründete diesen kraftvollen Yogastil. Seine langjährige Beschäftigung mit Ausführung und Wirkung von Körperhaltungen (Asanas) und Atemübungen (Pranayama) führten zu einer weltweiten Verbreitung dieses Stils.
Typisch ist die Verwendung von Hilfsmitteln wie z.B. Gurten, Klötzen, usw. Bei Bedarf werden die Übungen in Zwischenschritte aufgeschlüsselt.

Jnana-Yoga
Sanskrit „jnana“ = Wissen, Erkenntnis
Bezieht sich auf weltliches, wissenschaftliches und spirituelles Wissen. Sozusagen der Weg der Erkenntnis (der höchsten Wahrheit). Das Ziel ist, sich selbst zu erkennen. Die Grundlagen sind Achtsamkeit, kontemplative Meditation und Selbsterforschung.

Jivamukti-Yoga
Wurde von der Tänzerin Sharon Gannon und dem Künstler David Life in den 80er Jahren in New York entwickelt. Jivamukti heißt übersetzt so viel wie „die Befreiung der Seele“ und ist eine moderne Form des Hatha-Yoga.
Ineinander fließende tänzerische Körperübungen wechseln mit Gesängen und spezieller Atemtechnik. Ziel ist es, mentale Stärke und Ausgeglichenheit zu entwickeln.

Karma-Yoga
Sanskrit  karma= machen, tun.
Karma-Yoga wird oft auch als „Yoga des selbstlosen Dienstes“ verstanden, denn jede Handlung hat einen Effekt auf das Umfeld, auf Personen, Lebewesen usw. Karma-Yoga lehrt neutral und bewusst zu handeln und nicht nach eigenen Vorlieben oder Abneigungen. Es lehrt sozusagen das Ego zu neutralisieren.

Kripalu-Yoga (wird auch Amrit Yoga  genannt)
Dieser Stil wurde vom Inder
Amrit Desai begründet. Grundlage sind sanfte Körperübungen, unterstützt durch fließendes Atmen. Das eigentliche Ziel dieses Stils ist das Kultivieren eines distanzierten und bewussten Gewahrseins des dabei ablaufenden Prozesses. Wichtig sind Selbst-Akzeptanz und emotionale Stabilität. Praktische Übungen spielen zwar eine wichtige Rolle, die äußere Vervollkommnung von Körperhaltungen oder Atemtechniken sind eher sekundär.

Kriya-Yoga®
Eine sehr alte indische Übungsmethode, bestehend aus speziellen Körper- und Atemübungen, Reinigungstechniken sowie Meditationen mit Schwerpunkt auf Geistesschulung. Bekanntester Vertreter war der Inder
Paramahansa Yogananda (1893-1952).

Kundalini-Yoga®
Im Kundalini-Yoga nach der Lehre des Yogi Bhajan (1929-2004) geht es um Anregung und Verstärkung jener Energie, die als im Becken bzw. am unteren Ende der Wirbelsäule (Kundalini) ruhend angesehen wird. Dies wird durch intensive Atemübungen, Asanas (Körperhaltungen), Kriyas (reinigende Übungen) und Meditation erreicht.

Luna-Yoga®
Ein junger, im Westen entstandener Stil. Er verbindet traditionelle Techniken aus Yoga, Tantra und Ayurveda mit modernen Körpertherapien. Der Fokus liegt in der individuellen und kreativen Gestaltung der Übungen, die speziell auf die Gesundheit und das harmonische Funktionieren der Beckenorgane einwirken.

Power-Yoga
Power-Yoga wurde vom Amerikaner Bryan Kest begründet und ist ein kraftvoller, intensiver durch längeres Halten der Yogapositionen geprägter Yogastil. Es werden einfache Positionen mit Fokus auf Aufbau von Koordination, Atmung und Bewegung, Kraft und Balance geübt. 

Prana Flow®
Prana Flow ist eine energetische, transformierende Form und Weiterentwicklung des Vinyasa Flow Yoga durch die amerikanische Yogalehrerin Shiva Rea. Ziel ist es, durch fließende, dynamische Bewegungen das innere Feuer (Agni) zu stärken, sich immer tiefer zu öffnen und sich bei grooviger Musik mit dem eigenen Körper auszudrücken.

Raja-Yoga
Raja-Yoga meint heute v.a. Meditationsübungen, die sich auf den "Achtfachen Yoga-Weg des Patanjali" beziehen. Dieser wird dann - im Gegensatz zum Hatha-Yoga - als stärker geistig orientierter Yoga-Weg verstanden.

Satyananda Yoga®
Diese von Paramahamsa Satyananda Saraswati (1923-2009) entwickelte Yogarichtung, auch als Bihar-Yoga bekannt, ist ein integrales und wissenschaftlich orientiertes System, das Menschen auf dem Weg der Selbsterkenntnis und Selbstfindung methodisch und holistisch unterstützt. Er vereint in sich die Weisheit dreier alter Traditionen – Vedanta, Tantra und Yoga und basiert auf der Synthese von Techniken der traditionellen Yoga-Zweige.

Sivananda-Yoga
Die Sivananda-Yoga Vedanta Zentren wurden von Swami Vishnudevananda (1927-1993) gegründet, ein Lehrer des Hatha- und Raja-Yoga und enger Schüler des Yogameisters und Arztes Swami Sivananda (1887-1963). Gelehrt wird weltweit,  seit ca. 50 Jahren, klassisches Yoga mit ganzheitlichem Ansatz: Asanas (Yogaübungen), Atemübungen, Tiefenentspannung, Ernährung, positives Denken und Meditation. Eine praktische Methode, die für alle Lebensstufen geeignet ist. Sie fördert körperliche und geistige Gesundheit: Fitness und Beweglichkeit, Konzentration, Stressbewältigung und Ausgeglichenheit.

Tao Yin Yoga
So wird das chinesische Yoga, das ähnliche Elemente wie das indische Hatha-Yoga hat, bezeichnet. Beim Tao Yin Yoga werden vor allem die dynamische Beweglichkeit, innere Kraft und Elastizität der Bänder und Sehnen betont. Im Mittelpunkt steht die Atemlenkung,Tiefenentspannung und Stärkung des Bauchbereiches und der Wirbelsäule.

TriYoga
®
TriYoga® wurde von der Amerikanerin Kali Ray begründet. Es verbindet Asanas (Körperhaltungen), Pranayama (Atmung) und Handmudras (Fingerstellungen) zu fließenden Sequenzen ("Flows") zur Erweckung der Lebensenergie "Prana". Der Begriff TriYoga® steht für das Streben nach der Drei-Einheit von Körper, Geist und Seele.

Vinyasa-(Flow-)Yoga
Sanskrit: vinyasa = Bewegung, Stellung, Verbinden
Vinyasa-Flow-Yoga ist ein dynamischer Yogastil, bei dem Körperhaltungen (Asanas) fließend mit bewusster Wahrnehmung des Atems (
Ujjayi-Atmung) verbunden werden. Der Vinyasa-Flow (meist eine mehrmals wiederholte Abfolge aus drei Asanas: Brett, Chaturanga und nach oben schauender Hund). Dabei erzeugt er innere Hitze, die die Muskeln geschmeidig werden lässt und das Nervensystem reinigt, während die Körperzellen reichlich Sauerstoff und Energie erhalten. Der Fokus liegt auf gesteigertem Tempo mit Konzentration auf Atmung und Bewegung.

Yin Yoga
Yin Yoga ist ein ruhiger Yogastil und das Gegenstück zum yang-orientierten aktiven Ashtanga-Yoga. Die Yoga-Positionen (Asanas) werden länger gehalten. Es geht um gezieltes Dehnen vor allem im unteren Rücken und im Beckenbereich. Bekannte Yin-Yoga-Lehrende sind die Amerikanerin Sarah Powers und Paul & Suzee Grilley.

Yoga in der Tradition T. Krishnamacharya | Viniyoga
Der Inder Sri Tirumalai Krishnamacharya (1888-1989) war der Lehrer vieler Yogalehrerinnen und -lehrer, die heute im Westen bekannt sind, so zB. B.K.S. Iyengar (*1918).
Atmung und Bewegung werden bei diesem Yogastil präzise koordiniert: Wechsel von fließenden Abläufen (dynamisches Üben) und ruhigen Haltungen (statisches Üben) - je nach Situation und Sinn der Praxis. Philosophie, Reflexion und Meditation haben ihren Platz. Die individuelle Anpassung der Praxis an die Bedürfnisse der Gruppe oder des Einzelnen sind ein besonderes Merkmal dieser Art zu üben.

Yogalates  | Yogilates® oder Yolates®
Yogalates ist eine Kombination aus Yoga und Pilates. Meist beginnt eine Einheit mit Yoga, dann folgen kräftigende Pilatesübungen (Stärkung des sog. Powerhouses, der Muskulatur der Körpermitte wie innerer Bauchmuskel, Beckenboden), die Stunde klingt mit Yogaübungen aus. Erfunden wurde Yogalates vom Amerikaner Jonathan Urla.


Redigiert und zusammengefasst von Gerd Laubmann

Quelle: http://www.yogaguide.at